Geschichte der gesetzlichen Rentenversicherung

Reichskanzler Otto von Bismarck war zeigte sehr großes Engagement bei der Fürsorge und Vorsorge seiner Bürger. Als Reichskanzler hat er seinen Einfluss auf Kaiser Wilhelm I. genutzt und diesem angeraten das Wohl der Arbeiter positiv zu fördern. Dazu hat sich Kaiser Wilhelm I bei seiner Thronrede zur Reichstagseröffnung 1881 bekannt und somit kann dies als Geburtsstunde der heute bestehenden Rentenversicherung bezeichnet werden. Bis zur derzeit gültigen Rechtfassung der Rentengesetzgebung hat die Rentenversicherung jedoch einige sehr schwerwiegende und umfassende Wandlungen vollzogen. Kriege und Wirtschaftsaufschwung, die Spaltung Deutschlands sowie die derzeit vorherrschenden Probleme des demographischen Wandels mussten bewältigt werden.

Wir wollen Ihnen einen kleinen Überblick verschaffen, wie die geschichtliche Entwicklung Deutschlands und zukünftig auch Europas Einfluss auf die Rentenversicherung nahm.

Die Grundlagen- unseres Sozialsystems sprich die Kranken- Renten- und Unfallversicherung wurden in der Reichsversicherungsordnung im Jahr 1911 verankert. Grundsätzlich wurden diese ursprünglichen Gesetze mehrfach durch Reformen angepasst, manches erscheint dem Betrachter allerdings noch so aus stamme es direkt aus dieser Zeit. Der gesellschaftliche Wandel von der ursprünglichen Aufteilung der Lohnempfänger in Angestellte und Arbeiter sowie der familiäre Hintergrund von der Großfamilie zum 1 bis 3 Personenhaushalt hat ebenfalls für immerwährende Anpassung der bestehenden Grundlagen erfordert.

Zunächst war eine Altersrente bei Vollendung des 70. Lebensjahres vorgesehen, daneben gab es noch Ansprüche auf Rente aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit oder Invalidität. Bei der damaligen Lebenserwartung und auch den gängigen Arbeitsbedingungen kamen nicht sehr viele Menschen in den Genuss der Rentenzahlung. Auch war die Höhe noch sehr gering, da die Rente nur ein Zuschuss darstellen sollte. Man ging davon aus, dass die Rentner daneben eine Versorgung aus dem Familienverband, sprich den Kindern erhalten.

Der zweite Weltkrieg und die vorausgehende Weltwirtschaftskrise im Jahr 1930 haben das bestehende Versicherungssystem schwer belastet. Man denke nur an die 1911 verankerte Hinterbliebenen und Witwenrente. Dennoch wurde das Rentenalter auf 65 Jahre gesenkt. Der Rententräger nannte sich damals Reichsverband deutscher Rentenversicherungsträger. Erst mit einer Gesetzesänderung im Jahr 1951 wurde die Selbstverwaltung der Sozialversicherungsträger eingeführt. Die fundamentalste Reform der bestehenden Gesetzesgrundlagen fand im Jahr 1957 statt. Arbeiter und Angestellte wurde erstmals rechtlich gleichgestellt, die Rentenzahlungen sollten sich aus den aktiv Versicherten finanzieren und die lohnbezogene Anpassung der Rente an der allgemeinen Bruttolohnentwicklung waren die wichtigsten Eckpunkte dieser Reform. Das so genannte Umlageverfahren entstand hierbei, ebenso der Grundsatz Rehabilitation hat Vorrang gegenüber der Rente. Zu diesem Zeitpunkt sollten die Renten auch nicht mehr ein Zubrot sein, sondern Lohnersatzfunktion übernehmen. Es entstand der allgemein bekannte Generationenvertrag.

Im Jahr 1972 wurde die Rentenversicherung für Selbstständige und Hausfrauen geöffnet. Auch diese Gruppen konnten durch freiwillige Beiträge sich Anwartschaften auf eine spätere Rente erwirtschaften. Die Einführung der variablen Altersgrenze fand ebenfalls zu diesem Zeitpunkt statt.

Die Wiedervereinigung Deutschlands und den daraus resultierenden Verpflichtungen auch den Rentnern aus der ehemaligen DDR gegenüber hat die Rentenversicherung stark belastet. Unter Berücksichtigung des Unterschiedes in den Lohngrößen zwischen Ost- und Westdeutschland mussten die Renten von ca. 4 Mio. Rentner auf das westdeutsche Rentenniveau angehoben werden. Die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung und der gleichzeitige Geburtenrückgang bewirken eine finanzielle Krise der Rentenversicherung. Der Generationenvertrag wird aufgrund der Verschiebung instabil.

Aus diesem Grund wurde 1992 die Rentengrundlagen erneut an die bestehenden volkswirtschaftliche Situation angepasst. Die Rentenangleichung sollte sich dann nicht mehr auf Basis der Bruttolöhne, sondern auf Basis der durchschnittlichen Nettolöhne berechnen. Das inzwischen gesunkene Renteneintrittsalter wurde schrittweise von 60 bzw. 63 Jahren nach oben korrigiert auf das 65. Lebensjahr. Die Rehabilitationsleistungen wurden vermindert und die Berücksichtigungszeiten für Ausbildung wurden gekürzt.

Im Jahr 2001 hat aufgrund des wachsenden Drucks auf die Sozialkassen und auch der Bevölkerung die sich Sorgen um Ihre spätere Rente machte der Bundesrat erneut eine Sozialreform beschlossen. Diese kann als die stärkste Veränderung der Nachkriegsgeschichte der Renten bezeichnet werden. Geändert wurden die Voraussetzungen zum Erhalt der Rente, Änderungen bei der Berechnung der Rente und es wurde mehr Gewicht auf die private Altersvorsorge des einzelnen Bürgers gelegt. Durch staatliche Förderungen soll für alle Bürger ein Anreiz auf zusätzliche private Eigenvorsorge geschaffen werden. Dies war die Geburtsstunde der Riester Rente.

Inzwischen ist die Notwendigkeit der Eigenvorsorge nichts mehr was als Insiderwissen hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird. Jeder hat inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt und erkennt, dass eine gravierende Versorgunglücke entsteht wenn man sich im Alter allein auf die gesetzliche Rente verlässt. Wer seinen Lebensstandart auch im Alter erhalten will, muss sich mit einer privaten Vorsorge befassen.